Stoffwindelwoche

Die internationale Stoffwindelwoche

Wie war mein Weg zur Stoffwindelwoche? Als ich im Jahre 2020 den ersten Artikel über Windelfrei im Internet gefunden habe, war ich begeistert und lief zu meinem Mann und rief den Titel laut: „Wegwerfwindel oder Stoffwindel? Am Besten keine!“ (Danke, Friederike). Und er sagte einfach total unberührt: „Klingt ja natürlich“.

Es hat sich aber gezeigt, dass es nicht so ganz einfach ist, wenn man obdachlos ist, wenn man bei unterschiedlichsten Freunden und Bekannten übernachtet, wenn man in einer Baustelle wohnt, wenn wenn wenn. Also war unsere Lösung eine Kombination aus Stoffwindeln und Windelfrei immer da, wo es möglich war. Denn das hat am Besten zu unserem Lebensstil gepasst. Ein Hof, ein Garten, ein bisschen Permakultur, ein bisschen Selbstversorger. Viele Ideale und kein Geld.

Heute bin ich etwas älter, die Kinder sind längst aus den Windeln raus (haha), aber ich bin nach wie vor in Stoffwindeln verliebt. Es gibt so viele hübsche und durchdachte Systeme! Das ist doch ein Versuch wert.

Ach so, aber, eigentlich, wo wollte ich hin. Ah ja, ich wollte erzählen, wie es mit der Stoffwindelwoche angefangen hatte. Also, ehrlich, woher soll ich das wissen? Die war einfach da, die Real Nappy Week, und interessanterweise haben die Stoffi-Mamas in Tschechien viel schneller eine Stoffwindelwoche auf die Beine gestellt gehabt, als in Deutschland. So eine Stoffwindelwoche ist sozial. Oder war, halt. Es gab keinen Verein, kein Logo, keinen Organisator. Es war organisch. Es war eine Welle und es war wunderbar mitzumachen.

Aber ich will ja nicht heulen, dass es früher besser war und möchte euch auch die Fakten bieten. Ich bin zwar noch nicht in der Rente, aber trotzdem habe ich mehr Zeit und hab die Chattie gefragt. Dann schnappt euch den Tee und lese mit mir kurz mit:

Wie alles begann – von der Idee zur Bewegung

Die Wurzeln der Stoffwindelwoche liegen in Großbritannien, genauer gesagt bei der Women’s Environmental Network (WEN). Diese Organisation setzt sich seit den 1980er Jahren für Umwelt, Gesundheit und soziale Gerechtigkeit ein – und hat früh erkannt, welches riesige Problem Einwegwindeln darstellen. Bereits im Jahr 1997 wurde die erste Aktionswoche ins Leben gerufen, damals noch unter dem Namen Real Nappy Week. Das Ziel war von Anfang an klar: Es ging darum, Aufmerksamkeit zu schaffen, Eltern zu informieren und gleichzeitig zu zeigen, dass es auch anders geht. Was klein begann, war eine Zusammenarbeit zwischen WEN, der Real Nappy Association und weiteren Akteuren der Branche. Und schon damals ging es nicht nur um Produkte, sondern vor allem um Aufklärung, Austausch und Gemeinschaft.

Warum diese Stoffwindelwoche überhaupt nötig war (und ist)

Ich sage es, wie es ist: Windeln sind ein riesiges Thema – ökologisch wie finanziell. Allein in Großbritannien werden jährlich rund 3,6 Milliarden Einwegwindeln weggeworfen. Und das ist kein britisches Problem. Das ist ein globales Thema. Genau hier setzt die Stoffwindelwoche an. Sie macht sichtbar, was sonst gerne verdrängt wird, und eröffnet gleichzeitig neue Wege. Denn sie zeigt, dass es möglich ist, Müll zu reduzieren, Plastik zu vermeiden, Kosten zu sparen und gleichzeitig ein neues Bewusstsein zu entwickeln. Oder anders gesagt: Eine kleine Veränderung kann eine große Wirkung haben.

Vom lokalen Projekt zur internationalen Bewegung

Was mich besonders berührt: Diese Woche ist nicht klein geblieben. Schon im Jahr 2006, also gerade einmal zehn Jahre nach dem Start, hatte die Kampagne eine enorme Reichweite entwickelt. Sie wurde von über 900 Unterstützerinnen und Unterstützern getragen, fand in mehr als 90 Prozent der britischen Kommunen statt und umfasste rund 600 Veranstaltungen weltweit. Und nicht nur in Europa – auch in Ländern wie Australien, China, Mexiko oder Neuseeland wurde die Idee aufgegriffen und weitergetragen. Heute ist daraus eine internationale Aktionswoche geworden, die von Eltern, Stoffwindelberaterinnen, Herstellern, Organisationen und ganz vielen engagierten Menschen mit Herzblut getragen wird.

Von „Real Nappy Week“ zur „Reusable Nappy Week“

Mit der Zeit hat sich nicht nur die Bewegung entwickelt, sondern auch ihr Name. Aus der „Real Nappy Week“ wurde die „Reusable Nappy Week“ – ein moderner Name für eine Bewegung, die sich ebenfalls weiterentwickelt hat. Heute wird die Woche von einem Netzwerk aus Organisationen und Vertreterinnen und Vertretern der Stoffwindelbranche koordiniert. Dieses sogenannte Steering Committee sorgt dafür, dass jedes Jahr neue Schwerpunkte gesetzt und Aktionen gebündelt werden. Und genau das gefällt mir so sehr: Es ist keine Kampagne, die von oben gesteuert wird, sondern eine Bewegung, die aus der Mitte wächst.

Was heute hinter der Stoffwindelwoche steckt

Wenn du heute einen Blick auf die Stoffwindelwoche wirfst, dann wirst du schnell merken, wie vielfältig sie geworden ist. In dieser Zeit finden Workshops und Beratungen statt, es gibt Veranstaltungen rund um Stoffwindeln, viele Anbieter machen besondere Aktionen, und gleichzeitig teilen Eltern ihre Erfahrungen. Auch online entsteht ein lebendiger Austausch, der zeigt, wie groß diese Gemeinschaft inzwischen ist. Im Mittelpunkt steht dabei immer das Gleiche: Es geht darum, Mut zu machen, Wissen weiterzugeben und bestehende Hürden abzubauen. Und etwas, das mir besonders am Herzen liegt: Es geht nicht um Perfektion. Selbst wenn Stoffwindeln nur in Teilzeit genutzt werden, machen sie bereits einen Unterschied.

Mehr als nur eine Aktionswoche

Und genau dafür liebe ich die Stoffwindelwoche: Sie bringt uns zusammen. Die internationale Stoffwindelwoche ist nicht nur ein Marketing-Event. Sie ist ein Stück gelebter Wandel. Sie ist eine Einladung, Dinge anders zu machen – sanfter, bewusster und nachhaltiger. Und wenn du mich fragst: Genau solche Bewegungen braucht es.

Machst du dieses Jahr mit? Vielleicht ist genau diese Woche dein Einstieg – oder dein nächster kleiner Schritt. Fragen? Kein Problem, ich bin ja da, deine Windelfrei-Oma ; ) mit Herz und Erfahrung